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Burnout, Depressionen, Angsterkrankungen und Co. 

Die Frustration unserer psychischen Grundbedürfnisse...

Depression, Angststörung, Panikattacken, Stress

In diesem Artikel möchte ich Wirkfaktoren von Stress und aktuelle gesellschaftliche Bedingungen beleuchten im Zusammenhang mit der Entstehung von den "psychischen Volkskrankheiten". Zudem möchte ich aufzeigen welcher Umgang in der Befriedigung unserer psychischen Grundbedürfnisse und im achtsamen Umgang mit sich selbst günstig sind.

In unserer aktuellen Entwicklung der westlichen Gesellschaft erleben wir Bedingungen und Herausforderungen wie nie zu vor. Depressionen, Ängste, Panikattacken, und das berühmte Burnoutsyndrom nehmen explosiv zu. Es scheint sich eine Epidemie von psychischen Erkrankungen und chronischen Stresserkrankungen in unserer Bevölkerung zu verbreiten. Laut Weltgesundheitsorganisation sollen sich Depressionen in den nächsten Jahren auf Platz drei im internationalen Ranking der häufigsten Volkskrankheiten einfinden.

Im Vergleich zu anderen Teilen unserer Erde, sollte es uns doch eigentlich gut gehen. Die meisten von uns leiden nicht unter Hunger, Obdachlosigkeit, Krieg und anderen lebensbedrohlichen Bedingungen.
Ganz im Gegenteil. Wir leben im absoluten Überfluss. Die Versorgung unserer physischen Grundbedürfnisse ist mehr als ausreichend gewährleistet. Wir überhäufen unser Dasein mit verschiedensten Luxusgütern und existentielle Angst ist uns meist ein Fremdwort.

Doch was ist mit unseren psychischen und sozialen Grundbedürfnissen? Und wie gehen wir mit Stress um?

Viele von uns sind im Dauerstress und muten sich zu viel zu. Unser Gehirn wird durch die sogenannten "neuen Medien" von einer noch nie da gewesenen Flut an Informationen überschwemmt. Wir sind ständig mit der Aufnahme von Informationen auf mehreren Kommunikationsplattformen gleichzeitig beschäftigt. Das Smartphone, der Laptop, das Tablet und das Internet, sowie tausende Apps können uns ja einerseits wirklich das Leben vereinfachen, andererseits (wenn man nicht sorgsam damit umgeht) bedeuten sie einfach nur Stress. Echte menschliche Beziehungen im Face to Face Kontakt verlieren dabei an Bedeutung. Einsamkeit und eine schwelende Sinnlosigkeit machen sich breit. 

Wir vollbringen ständig mühsame Anpassungsleistungen um dem gesellschaftlichen Druck nach Perfektion zu entsprechen. Bei vielen wird  diese Entwicklung durch Ihre aufgemotzten Facebook oder Instagram Profile sichtbar. Wir versuchen durch unsere Online-Präsenz glänzend und großartig zu sein. Doch was steckt hinter der Fassade? Welcher Mensch zeigt sich da? Wie geht es diesem Menschen wirklich und welche Bedürfnisse hat er? 

Durch diesen, von mir drastisch dargestellten Trend, rückt die Besinnung auf unsere psychischen Grundbedürfnisse zunehmend in den Hintergrund. Stress entsteht und macht sich auf allen Ebenen unseres bio-psycho-sozialen Erlebens bemerkbar. 


Stress zeigt vielfältige Symptome


Generell lassen sich Symptome, die in Zusammenhang mit Stress gebracht werden können, in folgende Kategorien einteilen:

-körperlich (z.B. Verspannungen, Zittern),
-geistig (z.B. geringe Konzentrationsfähigkeit, verlängerte Reaktionszeiten),
-psychisch (z.B. Resignation, Panikgefühle, Freudlosigkeit),
-Verhalten (z.B. Veränderungen im Essverhalten, übertriebene Reaktionen oder gesteigerter Konsum von Suchtmittel).

Hormone spielen eine Rolle

Während einer akuten Stressreaktion führt das autonome Nervensystem (unterliegt nicht der Willenssteuerung) Regie – und zwar der Sympathikus. Dieser Teil des Nervensystems ist unter anderem für Aktivierung, Flucht und Kampf zuständig. Der Parasympathikus ist der Gegenspieler des sympathischen Nervensystems und reguliert Prozesse, die in körperlicher Ruhe stattfinden wie z.B. Nahrungsaufnahme oder Wachstum.

Zu Beginn der akuten Stressreaktion werden Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt. Das sind Hormone aus dem Nebennierenmark. Sie bewirken u.a. eine Erweiterung der Bronchien, einen Anstieg des Blutdrucks und des Blutzuckers.
In Stressreaktionen wird auch das Hormon Kortison aus der Nebennierenrinde freigesetzt. Seine Wirkung hält mehrere Stunden an. Auch dieses Hormon lässt Blutdruck und Blutzucker ansteigen. Außerdem beeinflusst Kortisol den Gehirnstoffwechsel. Es hält den Körper in Alarmbereitschaft. DHEA (Dehydroepiandrosteron) hingegen dämpft die Wirkung von Kortisol. Es ist sozusagen sein Gegenspieler und verhindert, dass das Stresssystem aus dem Ruder gerät.

Auf Kampf, Flucht und Erstarrung programmiert

All diese Stressantworten sind biologisch sinnvoll. Wenn wir auf alles seelenruhig reagieren würden, könnten wir Gefahren nicht bewältigen. Das Stress- und Antistresssystem rührt allerdings noch von Zeiten her, in denen Kampf oder Flucht oft das Leben bestimmten. Das heutige Leben ist jedoch durch völlig andere Stressoren gekennzeichnet (z.B.Doppelbelastung durch Familie und Beruf, Leistungsdruck etc.), die allerdings über einen längeren Zeitraum wirken. Der Mensch kann auch meist nicht unmittelbar auf diese Stressreize mit Bewegung („Flucht“) reagieren, die helfen würde, den Stress abzubauen.
Erfolgen bei Dauerstress keine passenden Gegenmaßnahmen wie etwa Entspannung, Änderung der Situation, Konfliktlösung etc., schüttet der Körper kontinuierlich Kortisol aus. Dieser Stress kann krank machen. Beispiele, die zur ständigen Kortisolausschüttung führen können, sind unlösbare Konflikte, Überforderung am Arbeitsplatz oder in der Schule, familiäre Probleme etc. In dieser Phase kann es passieren, dass sich Menschen zurückziehen und Depression, Angsterkrankungen oder andere Erkrankungen entstehen.

Die psychischen Grundbedürfnisse


Prof. Klaus Grawe (Forscher für klinische Psychologie und Psychotherapie) postuliert aufgrund seiner wissenschaftlichen Untersuchungen, dass jeder Mensch bestimmte Grundbedürfnisse hat.

Das Bedürfnis nach

- Bindung
- Kontrolle und Selbstbestimmung
- Selbstwerterhöhung 
- und Lustgewinnung bzw. Unlust-Vermeidung 


Wie befriedigen Sie Ihre Grundbedürfnisse?


Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um folgenden Fragen nachzugehen:


Bindung:


Hiermit ist das Bedürfnis des Menschen nach Mitmenschen, nach Nähe zu einer Bezugsperson gemeint.


Was tun Sie für Ihr Grundbedürfnis nach Bindung?


Kontrolle/Selbstbestimmung:


Die Grundüberzeugungen, ob im Leben Kontrollmöglichkeiten bestehen, es vorhersehbar ist und ob es sich lohnt, sich einzusetzen.


Das Kontrollbedürfnis wird befriedigt durch möglichst viele Handlungsalternativen, einen grossen Handlungsspielraum.


Was tun Sie, um in Ihrem Leben Kontrolle zu erleben? Um das Gefühl zu haben, selbst zu bestimmen?


Selbstwert:


Das Bedürfnis, sich selber als gut, kompetent, wertvoll und von anderen geliebt zu fühlen.


Zur Bildung eines guten Selbstwertgefühls braucht es eine wertschätzende Umgebung, die einem etwas zutraut, unterstützt.


Was tun Sie für Ihren Selbstwert? Wie bekommen Sie Selbstbestätigung?


Lust/Unlust:


Das Bestreben, erfreuliche, lustvolle Erfahrungen herbeizuführen und schmerzhafte, unangenehme Erfahrungen zu vermeiden.


Was machen Sie für Ihr Lustbedürfnis? Wie schaffen Sie es mit Unangenehmen umzugehen? Haben Sie eine positive Lust-/Unlustbilanz?


 
Wie sieht Ihre Bilanz aus? Haben Sie Ansatzmöglichkeiten gefunden, um diese zu verbessern?


Achten Sie im Alltag auf die Befriedigung Ihrer Grundbedürfnisse und tun Sie täglich etwas dafür. Dies ist eine wesentliche Quelle für ein glückliches, zufriedenes Leben.


Quelle: Grawe, K. Psychologische Therapie. (2000). Göttingen: Hogrefe

Die Frustration eines oder mehrerer dieser Grundbedürfnisse kann eine erhöhte Wahrscheinlichkeit des Ausbrechen der oben genannten "psychischen Volkskrankheiten" bewirken.

Insbesondere bei Liebeskummer und anderen zwischenmenschlichen Konflikten sind immer mehrere Bedürfnisse betroffen.

Wie es so oft im Leben ist, kommt ein Unglück selten allein. Meist finden wir uns in sogenannten multi-faktoriellen Belastungssituationen. Finanzielle Belastungen, Beziehungsprobleme, Konflikte am Arbeitsplatz und vieles mehr. Es fällt uns dann schwer gut auf uns zu achten und selbstfürsorglich zu sein.

Der achtsame Umgang mit sich selbst

Wenn die Welt um Sie an Geschwindigkeit zu nimmt und sich ein inneres Erleben von Druck, Anspannung und Entfremdung verbreitet, gerade dann macht es Sinn, sich abzugrenzen, einen sicheren Ort aufzusuchen und gut für sich zu sorgen, alles Innere zuzulassen und behutsam zur Ruhe zu kommen.

Wenn Sie wieder geerdet sind und in Kontakt mit sich sind, dann können Sie fürsorglich darauf achten was Sie jetzt brauchen. In diesem Zustand ist es möglich zu beurteilen, was nötig ist um Ihre psychischen und sozialen Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Die fernöstliche Medizin ist uns bei diesem Thema um Lichtjahre voraus. Meditative Verfahren sind ein wunderbares Instrument um Achtsamkeit zu praktizieren. Entspannung kann man lernen. Es bedarf an Regelmäßigkeit und Training.

Die meisten Menschen machen dabei die Erfahrung, dass es gar nicht viel braucht um zufrieden zu sein. Ja, es geht um Zufriedenheit. Über-Glücklich zu sein und vollkommene Selbstliebe halte ich persönlich für sehr große beinahe unerreichbare Ziel-Konstruktionen die wiederum Stress verursachen.

Es sollte darum gehen mit sich, mit seinen Bedürfnissen und Emotionen in Kontakt zu kommen und eine akzeptierende Haltung für diese Erlebensformen aufzubauen.

Ich kann Sie nur motivieren und bestärken einen achtsamen und fürsorglichen Umgang mit sich und anderen zu finden.

Mittlerweile ist auch dahingehend ein Trend zu beobachten. Verschiedenste Entspannungsverfahren und Achtsamkeits-Trainings werden als Einzel- oder Gruppenkurse flächendeckend in Österreich angeboten. Ob für Sie Yoga, Tai-Chi, Meditation, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder einfach nur ein Spaziergang im Wald passend ist, probieren Sie am besten selber aus.

Auch durch eine Psychotherapie oder ein Coaching kann der "gesunde" Umgang mit sich und seiner Umwelt erlernt werden und die Resilienz (die psychische Widerstandskraft) gesteigert werden. Ich persönlich lege großen Wert auf das bewusste Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse und das Bemühen das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden zu steigern.